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Marktanalyse 2011 - Update Oktober

 

Hier unsere Themen:

  1. Frisst Gier unsere Zukunft?
  2. Kann man auch ohne den Euro erfolgreich sein?
  3. Warum verfälscht die Politik beim Thema Staatsanleihen die nackten Tatsachen?
  4. Lügen haben kurze Beine, die Beine der Politiker sind besonders kurz
  5. Auch die Franzosen leben im Wesentlichen nur noch auf Pump
  6. Die Rolle der Europäischen Zentralbank
  7. Staatsverschuldung: Wann laufen die Fässer über?
  8. Konsequenzen: Ihr Vermögen sollte einen Stresstest erfolgreich bestehen können!
  9. Atomausstieg: Wann wird der Rücktritt vom Rücktritt folgen?
  10. Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft
  11. Sind Goldinvestments zeitgemäß?
  12. Inflation
  13. Wie wird es weitergehen?


1. Frisst Gier unsere Zukunft?

Die Welt stolpert von einer Krise zur nächsten. Der Protest gegen eine Wirtschaft, die außer Kontrolle zu geraten scheint, wächst überall im Westen. Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir das Risiko einer Neuauflage der „Französischen Revolution“ thematisiert. Insofern können wir unsere damalige Buchempfehlung von Robert Reich „Nachbeben - Amerika am Wendepunkt“ nochmals unterstreichen. Überraschend für uns ist die Tatsache, dass unser damaliges Szenario schon bereits 12 Monate später zur Realität geworden ist. In 878 Städten, in 78 Ländern fanden am 15. Oktober 2011 ähnliche Protestaktionen gegen das Finanzsystem und gegen soziale Ungerechtigkeiten statt.

Es gibt Zahlen, die die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit beschreiben: 600 Billionen Dollar, das ist der Wert aller auf der Welt gehandelten Finanzwetten. 14,5 Billionen Dollar, das ist die Summe der Staatsausgaben. Fünf Prozent, das ist die Größe des Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre. 0,75 Prozent, das ist die Zahl, um die die Einkommen der Bevölkerung stiegen. Am Ende dieser Entwicklung zocken die weltweiten Banken mit 600 Billionen Dollar an Derivaten und 960 Billionen Dollar an Devisengeschäften im Jahr; die Staatshaushalte der großen westlichen Staaten verfügten über 12,5 Billionen. Und so ging der Kapitalismus eine Symbiose mit der Finanzwirtschaft ein.

Nach einer Analyse von Berkeley-Professor Emmanuel Saez gingen die realen Einkommen in den USA von 1993 bis 2008 um nur 0,75 Prozent im Jahr nach oben. In der gleichen Zeit stieg das Einkommen der Spitzenverdiener um vier Prozent. 2002 lebten 34,6 Millionen Amerikaner in Armut, 2010 waren es 46 Millionen. Das entspricht einem Zuwachs von einem Drittel. Steigende Börsenkurse und anziehende Hauspreise konnten den Vermögensverlust für viele Amerikaner kompensieren. Seit der Finanzkrise 2008 ist damit Schluss. Die Haushaltseinkommen sanken um 2,3 % im Jahr 2010. Rein statistisch gesehen streicht heute 1 Prozent der reichsten Amerikaner rund 20 Prozent des gesamten Einkommens der USA ein. In den siebziger Jahren kamen sie nur auf 10 Prozent.

An den Finanzmärkten aber werden nicht mehr Waren, sondern Erwartungen gehandelt: Nur 63 Billionen Dollar beträgt der Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen auf dieser Welt. 87 Billionen Dollar beträgt das Volumen der weltweit gehandelten Aktien und Anleihen. 600 Billionen Dollar außerbörslich gehandelte Finanzderivate gibt es auf der Welt und 960 Billionen Dollar beträgt das Volumen der Devisengeschäfte. So wuchs die Bedeutung der Finanzindustrie.

Das politische System dient nur den Reichen? Jetzt heißt es, „dass Banken die Gewinne internationalen Erfolgs an sich reißen und die Verluste auf jeden Steuerzahler in jeder Nation verteilen. Die Banken kommen nur noch nach Hause,  wenn sie kein Geld mehr haben. Dann geben unsere Regierungen ihnen neues." Die Wirtschaft wurde global, die Politik aber blieb national - zumindest in weiten Teilen. Die Europäische Union ist politisch bei weitem nicht da, wo sie sein könnte, wenn sie mit der Wirtschaft im Gleichschritt gegangen wäre. Die Arbeitslosigkeit liegt z. B. in Großbritannien bei mehr als 20 Prozent, bei den unter 25-Jährigen sind es gar rund 45 Prozent.

Für sehr langfristige Vorhaben sollten Unternehmensformen geschaffen werden, die sich stärker am Stiftungsgedanken orientieren. Die Stiftung ist auf einen Stiftungszweck und nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet. Es gibt einige Beispiele dafür: Bosch etwa oder Bertelsmann sind Unternehmen, die chronisch erfolgreich sind und dennoch die Regeln des guten Anstands selten verletzen. Visionär heißt, dass langfristig der Weg hin zu einer globalen Regierung führen muss.


2. Kann man auch ohne den Euro erfolgreich sein?

Diese Totschlagargumente wie „Es kommt zur Kernschmelze des internationalen Finanzsystems.“ machen mich teils fassungslos. In der Vergangenheit musste die Menschheit schon mit ganz anderen Krisen, auf ganz anderem Niveau (Weltkriege etc.) fertig werden. Wir leben nun schon seit mehr als 65 Jahren ohne Krieg, Gott sei Dank! Kommt es zur so genannten Kernschmelze des Finanzsystems, so ist das eine überfällige Korrektur, ein reinigendes Gewitter, das für die Finanzmärkte schon seit langem überfällig ist. Mit der EU ist es wie mit einer Ehe: Hier wurden Staaten miteinander verheiratet, die einfach nicht miteinander können, die einfach nicht zusammengehören.

Dass es auch ohne billigen Euro geht, zeigt uns die Schweiz. Auch wenn die Schweiz derzeit unter der Aufwertung des Schweizer Franken mächtig stöhnt, bleibt doch deren Kernschmelze aus. Aktuellste Prognosen für 2012 sagen für die Schweiz, trotz starkem Schweizer Franken, ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent und für Deutschland, trotz schwachen Euro, ein Wachstum von nur noch 1,3 % voraus (das Institut für Weltwirtschaft sieht Deutschland 2012 mit nur 0,8 Prozent Wachstum sogar am Rande einer Rezession). Die Triebfedern für die Schweizer Wirtschaft sind neben der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unter anderem eine intelligente Einwanderungspolitik und eine damit verbundene Arbeitslosigkeit von derzeit nur 3 Prozent.

Der zu billige Euro führte in der Vergangenheit in den Südländern zu Fehlanreizen, was sich jetzt bitter rächt. Augenblicklich führt der zu billige Euro in Deutschland zu Fehlanreizen, was sich zwangsläufig später auch rächen wird. Die Politiker und Finanzjongleure müssen lernen und begreifen, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen können. Dass man nicht ungestraft dauerhaft über seine Verhältnisse leben kann und dass man aus gesättigten Märkten, in denen wir uns befinden, nicht unendliches Wachstum herauspressen kann. Bei unserem Sättigungsgrad, unserer negativen demographischen Struktur und unseren unqualifizierten Politikern müssen wir akzeptieren, dass wir uns zukünftig mit kleineren Brötchen, mit weniger Lebensqualität, weniger Sozialstaat, mit weniger auf Pump leben zufrieden geben müssen. Selbst wenn die Finanzsysteme zusammenbrechen, wenn das Unausweichliche passiert, also die vielen Staaten reihenweise Insolvenz anmelden, ist das immer noch besser als Krieg! Auch ein überschuldeter Privathaushalt sieht erst wieder Licht am Tunnel, wenn er Insolvenz anmeldet. Mathematik und Naturgesetze gelten auch für Staaten, egal ob sie Griechenland, Deutschland oder USA heißen mögen!


3. Warum verfälscht die Politik beim Thema Staatsanleihen die nackten Tatsachen?

Ein Tabu-Thema, welches von uns in unserer Marktanalyse 2007 bereits ausgeleuchtet wurde: Die europäische Schuldenkrise führt dazu, dass nun auch die ersten Spitzenbanker die Privilegien von Staatsanleihen angreifen. Sie halten es nicht mehr für gerechtfertigt, dass die europäischen Schuldtitel von Aufsichtsbehörden unterschiedslos wie risikofreie Anlagen behandelt werden. Basel III für Banken und Solvency II-Richtlinien für Versicherungen verschärfen dieses Problem weiter. Die Staatsverschuldungspolitik schafft Gesetze, die Banken und Versicherer regelrecht zum Kauf von Staatsanleihen, unabhängig von deren Solvenz, nötigen. Denn bisher müssen Banken kein Eigenkapital einsetzen, wenn sie europäischen Staaten Geld leihen. Dank dieser Privilegien war es vor Ausbruch der Schuldenkrise auch für hochverschuldete Euro-Länder kein Problem, Käufer für ihre Anleihen zu finden. Deshalb genießen selbst griechische Staatsanleihen den Status risikofreier Wertpapiere, obwohl Banken und Versicherer Milliardenbeträge auf sie abschreiben müssen.

Aufseher und Politiker haben das Dilemma längst erkannt, wagen aber nicht, das Thema öffentlich anzupacken. "Wenn sie jetzt an diesen Regeln etwas ändern würden, dann würde das die Schuldenkrise noch verschärfen", heißt es in Brüssel. Das ist einer der Gründe dafür, dass die Europäische Kommission die Privilegien nicht angetastet hat, als sie die neuen Kapital- und Liquiditätsregeln für Banken (Basel III) in einen Gesetzentwurf goss.

Schließlich verfolgt der Staat bei dem Thema auch Eigeninteressen. "Der Staat sorgt auch durch Regulierung dafür, dass Finanzdienstleister seine Anleihen kaufen", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Das gelte auch für die neuen Kapitalregeln für Banken und Versicherer. "Man könnte sogar so weit gehen, dass die Staaten wissen, dass sie einen höheren Absatz für ihre Anleihen brauchen", sagte er. Wenn die Politik dann hinterher fragt, weshalb die Finanzbranche eigentlich all die Staatsanleihen gekauft hätte, ist das regelrecht grotesk!

Die Kreditwirtschaft fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Nicht die Banken sind nach Auffassung der Branche für die gegenwärtige Krise verantwortlich, sondern die überschuldeten Staaten. Das Hauptproblem sei, dass Staatsanleihen nicht mehr als sichere Geldanlage gelten. Dieses Problem werde aber nicht dadurch gelöst, dass die Politik den Banken nun höhere Eigenkapitalquoten abverlange. Stattdessen müssten die Krisenländer der Euro-Zone endlich ihre Haushaltsprobleme lösen und das Vertrauen in die Solidität ihrer Finanzen wiederherstellen, argumentiert die Finanzindustrie. In der jetzigen Situation könnte sich eine Rekapitalisierung von Banken durch Länder als wundersame Geldvermehrung darstellen. Ein Schuldner, dessen Bonität schlecht geworden ist, leiht seinem Gläubiger Geld, damit der ihm das Geld zurückgibt. Mit anderen Worten: Die angedachte Rekapitalisierung ist kontraproduktiv, weil die Mittel nicht von privaten Investoren kommen, sondern am Ende von den Staaten selbst aufzubringen wären. Das dürfte die Schuldensituation einzelner Länder verschärfen.

Die von den Banken geforderte Garantie für alle Euro-Staatsanleihen in Form eines Super-Rettungsschirms lehnt die Bundesregierung ebenso ab wie die Einführung von Euro-Bonds, obwohl die Politik Banken und Versicherungen regelrecht in Staatsanleihen getrieben hat. Weder eine Vergemeinschaftung der Zinsrisiken noch eine Art Ausfallfonds mit 1,5 bis 2 Billionen Euro Volumen seien mit dem Bundesverfassungsgericht zu machen, lautet das Argument der Politik. In der Tat haben die Karlsruher Richter der Bundesregierung enge Grenzen für die Übernahme von Finanzrisiken anderer Staaten gesetzt. In ihrem Urteil vom 7. September mahnten sie, es dürften "keine dauerhaften völkervertragsrechtlichen Mechanismen begründet werden, die auf eine Haftungsübernahme für die Willensentscheidungen anderer Staaten hinauslaufen, vor allem wenn sie mit schwer kalkulierbaren Folgewirkungen verbunden sind". Diese Urteilspassage gilt als extreme Hürde, wenn über eine Ausweitung des Rettungsschirms oder die Einführung von Euro-Bonds gesprochen wird.


4. Lügen haben kurze Beine, die Beine der Politiker sind besonders kurz

„Lassen Sie mich ganz deutlich sagen: Umschuldung ist kein Thema, und davon redet auch niemand, der in der Regierung ein Amt hat.“ Wolfgang Schäuble im Handelsblatt-Interview am 28.4.2010. Permanente Schönfärberei! Seit Ausbruch der Finanzkrise ist immerhin noch auf eines Verlass: Sämtliche Versprechen unserer Politiker, die sie uns seitdem gegeben haben, sind allesamt von ihnen gebrochen worden. Als der Rettungsschirm im Frühjahr 2010 über Griechenland gespannt wurde, gab es viele mahnende Stimmen. Warum nicht lieber einen klaren, ehrlichen Schuldenschnitt für Griechenland, damit das Land wieder zum Atmen kommen kann? Weil viele Finanzinstitute einen solchen Schritt nicht verkraftet hätten, lautete eines der Argumente. Anstatt die Banken so zu stärken, dass sie den Anforderungen der Märkte genügen, begaben sich die Politiker von einer Aktion zur Stützung maroder Euro-Staaten zur nächsten.

Griechenland, Portugal, Irland - der Euro-Rettungsschirm wurde immer größer. Die Europäische Zentralbank musste selbst von Spanien und Italien Anleihen kaufen, und die Politiker liefen ein ums andere Mal den Märkten hinterher. Die Bundesregierung ließ sich von den deutschen Banken die Zusage geben, die bestehenden Kreditlinien an Griechenland und griechische Banken bis 2012 aufrechtzuerhalten. Wir retten um jeden Preis, so lautete das Versprechen der Politik.

Versprochen, gebrochen. Denn jetzt leiten die Politiker die Kehrtwende ein. Mit einer Zwangskapitalisierung wollen sie die Banken auf einen Schuldenschnitt in Griechenland vorbereiten. Das ist der ehrlichere und richtige Weg. Aber das wäre bereits im Frühjahr vergangenen Jahres die bessere Lösung gewesen. Jetzt kann man es den Banken nicht verübeln, wenn sie sich darüber ärgern, dass Politik und Finanzaufsicht in ihren Rettungskonzepten und Richtlinien für die Banken innerhalb weniger Monate komplett umschwenken.

Staatsanleihen galten bislang in der Regulierung als risikolose Investition für Banken und Versicherer. Deshalb mussten die Institute die Papiere auch nicht mit Eigenkapital absichern. Die Staaten baten die Finanzinstitute sogar, ihre Anleihen weiter zu halten. Wenn Banken dennoch in den vergangenen Quartalen Anleihen verkauften, handelten sie sich öffentlichen Ärger ein, wie etwa die Deutsche Bank. Jetzt werden Staatsanleihen beim anstehenden Bankenstresstest als riskante Anlagen gewertet. Und wenn die Eigenkapitalquoten der Institute nicht ausreichen, folgt gleich eine Zwangskapitalisierung.


5. Auch die Franzosen leben im Wesentlichen nur noch auf Pump

Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes lässt schon seit mehreren Jahren nach. Die Nettokapitalimporte sind kontinuierlich gestiegen und übertreffen inzwischen die Nettoinvestitionen. Damit gesellt sich Frankreich allmählich zu den Südeuropäern, die im vergangenen Jahrzehnt nur mit Hilfe von Auslandskapital ihr Konsumniveau aufrechterhalten konnten. Das heißt mit anderen Worten: Frankreich lebt über seine Verhältnisse. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt seit vielen Jahren um die 20 Prozent. Auch die Sozialversicherungssysteme sind reformbedürftiger als in Deutschland. Nur jeder zweite Franzose, der über 50 Jahre alt ist, arbeitet noch.

56 Prozent beträgt die Staatsquote in Frankreich. Damit ist sie so hoch, wie sonst nur in Skandinavien. Frankreichs Sozialversicherungssystem ist seit langem reformbedürftig. In diesem Jahr liegt das Defizit bei 18,2 Milliarden Euro. Ziel ist es, dieses im kommenden Jahr auf 13,9 Milliarden Euro zu reduzieren. Der Grund dafür liegt auch darin, dass das Rentenalter bis vor einigen Monaten bei nur 60 Jahren lag. Mit der Rentenreform wurde es vor kurzem auf 62 Jahre angehoben. In den kommenden Jahren dürfte es weiter steigen.

Unklar ist, wie stark eine Bankenrettungsaktion den französischen Staatshaushalt und damit das Rating Frankreichs beeinträchtigen wird. Sorgen genau darüber gelten als Grund dafür, dass Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Bankenkapitalisierung gerne über den europäischen Rettungsfonds EFSF finanzieren würde. Sollte die belgisch-französische Bank Dexia tatsächlich zahlungsunfähig sein, müsste der Staat nach Einschätzung von Analysten mit 95 Milliarden Euro einspringen - das entspricht rund 5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Kosten für eine Unterstützung des gesamten französischen Bankensektors werden auf bis zu 360 Milliarden Euro beziffert. Frankreichs Schuldenstand würde damit auf 115 Prozent des BIP steigen und damit gefährlich nahe in die Nähe der italienischen Verschuldung geraten.

Die Sozialisten, die für ihre Partei bei der Präsidentschaftswahl 2012 antreten wollen, bekennen sich zwar auch zur Senkung des Staatsdefizits, doch von der Schuldenbremse wollen sie nichts wissen. Für 2012 erwarten die Statistiker nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent, also fast Stagnation. Mit Frankreich würde sich neben Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland ein weiterer Problemfall hinzu gesellen. Eine Last, unter der dann letztendlich auch Deutschland endgültig zusammenbrechen würde.

Ein Blick auf den internationalen und insbesondere europäischen Verschuldungstand macht deutlich, dass Griechenland ganz sicher nicht unser wichtigstes Problem ist. Inzwischen liegt die Staatsverschuldung im OECD-Durchschnitt bei 102 Prozent. In der Volkswirtschaftslehre spricht man von einer absoluten Obergrenze in Höhe von 90 Prozent des BIP, wenn eine realistische und praktische Chance bestehen soll, die Staatsverschuldung auf ein erträgliches Maß zurückzuführen. Es scheint alles nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Kreditblasen platzen.


6. Die Rolle der Europäischen Zentralbank

Mit ihrem langjährigen und erfolgreichen Einsatz für die Stabilität des Euro ist der EZB in ihrer Geldpolitik immer wieder ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit von der Politik attestiert worden. Doch mit ihrer Entscheidung, Staatsanleihen überschuldeter Länder der Eurozone unterhalb der Marktkonditionen aufzukaufen, hat die EZB nicht nur gegen den EU-Vertrag verstoßen, wonach es ihr untersagt ist, maroden Staaten der Eurozone finanziell unter die Arme zu greifen. Sie hat dadurch, wie ein gehorsamer Diener der Politik, den Regierungen überschuldeter Staaten geholfen, ihre Ausgabeorgien auf Pump fortzusetzen, ohne die Bestrafung der Finanzmärkte durch höhere Zinsen befürchten zu müssen. Darüber hinaus ist sie ohne größere Bedenken den Banken zur Hilfe gekommen, indem sie ihnen Milliardenkredite zu extrem niedrigen Zinsen und für einen immer längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt und die minderwertigen Staatsanleihen hochverschuldeter Euromitglieder als Sicherheit akzeptiert hat. Auf diese Art entwickelt sich die EZB allmählich zur Mülldeponie der Finanzinvestoren und Regierungen.


7. Staatsverschuldung: Wann laufen die Fässer über?

Seit nun schon bald 15 Jahren thematisieren wir regelmäßig das Thema Staatsverschuldung. Ich habe mir in den vergangenen Tagen meine Diplomarbeit aus dem Jahre 1997 hervorgeholt. Mein damaliges Thema war die wachsende Staatsverschuldung in Deutschland. Die damaligen Inhalte sind heute aktueller denn je. Ein Zeugnis dafür, dass die Politik die Probleme wachsender Staatsverschuldung schon lange kennt und nichts dagegen unternimmt. Heute brüstet man sich damit, wenn man es schafft, weniger Schulden als im Vorjahr zu machen - ein Armutszeugnis! Was uns unter großem Getöse als harte Sparpolitik verkauft wird, lässt die Staatsschulden trotzdem weiter ansteigen. Seit nun schon mehr als 40 Jahren hat es kein einziger Finanzminister mehr geschafft, nur so viel auszugeben, wie der Staat eingenommen hat. Jedes Jahr ist der Schuldenberg etwas mehr gewachsen. Die Folge: Seit 1970 verdreißigfachten sich die deutschen Staatsschulden!

Allein in der bisherigen Amtszeit Angela Merkels vergrößerte sich der Schuldenberg um 500.000.000.000 Euro. Die Kanzlerin steht damit für so viele neue Schulden, wie alle Bundeskanzler in mehr als 4 Jahrzehnten Bundesrepublik Deutschland zusammen. Auf mehr als 4,8 Billionen Euro oder 185 Prozent des BIP kalkuliert der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen alle durch das heutige Steuer- und Abgabenniveau nicht gedeckten Versprechen des Staates, insbesondere der Sozialversicherungen. Diese so genannte implizite Staatsverschuldung kommt zur amtlichen, also expliziten Schuldenlast hinzu. Zusammen ergeben sich dann fast 7.000.000.000.000 Euro (Billionen) oder 270 Prozent des BIP!

Hans-Werner Sinn beziffert das Risiko, dass wir mit offenen und versteckten Hilfen für die Banken und Euro-Staaten eingegangen sind, auf 379 Mrd. Euro. Das entspricht immerhin zwei Dritteln der gesamten Steuereinnahmen eines Jahres. 100.000.000.000 Euro neue Schulden kommen in den Problemländer Jahr für Jahr hinzu. Es wird für Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Nur die einfache Erkenntnis, dass Bäume, insbesondere Schulden, nicht in den Himmel wachsen können, würde einen grundlegenden Richtungswechsel herbeiführen. Doch offensichtlich sind die Verantwortlichen beratungsresistent. Den jüngsten Beweis hierfür liefern sie mit dem Rettungsschirm, der Europas Probleme lösen soll. Die Ursache allen Übels, die ausufernde Staatsverschuldung, soll mit neuen Schulden, die der Rettungsschirm mit 780 Mrd. Euro bereit stellen soll, gelöst werden. Auf deutsche Steuerzahler kommen damit potentiell weitere 211 Mrd. Euro neue Schulden hinzu. Versuchen Sie doch einmal ein Feuer zu löschen, indem Sie weiteres Öl ins Feuer gießen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis uns die brandgefährlichen Fässer um die Ohren fliegen. Mit dem neuen Rettungsschirm sind wir dem Abgrund ein ganzes Stück näher gekommen.

Die Euro-Zone hat mit dem EFSF-Rettungsschirm (European Financial Stability Facility) einen Mechanismus geschaffen, um im Notfall Mitgliedsstaaten finanzielle Hilfe zu leisten, gebunden an strenge Bedingungen. Er ist zwar in Notlagen wichtig, um zeitweise Erleichterung zu schaffen. Er kann aber selbst nicht die Lösung der Staatsschuldenkrise sein, denn er geht nicht an die Wurzeln der Probleme: Fehlende Haushaltsdisziplin und geringe Wachstumsaussichten. Stetiges Wirtschaftswachstum in gesättigten Märkten gleicht dem Perpetuum mobile oder Bäumen, die in den Himmel wachsen können!

Es ist nicht verantwortungsvoll, wenn die Euro-Zone zwar Treue zur Währungsunion schwört, sich aber nicht auf eine gemeinsame Fiskalpolitik einigt. Erst mit dieser kann eine Währungsunion überhaupt funktionieren. Es ist auch nicht verantwortungsvoll, wenn die Euro-Zone nicht die Konsequenzen für Mitgliedsländer akzeptiert, die dem Wettbewerb nicht standhalten oder die zu hoch verschuldet sind.

Solange sich Europa, Japan und die USA nicht der Verantwortung stellen, werden sie nicht nur sich selbst nach unten ziehen, sondern gleich die gesamte Weltwirtschaft. Dann wird es nicht mehr alleine um eine tektonische Verschiebung gehen, welche die Schwellenländer zu den neuen Motoren der Weltwirtschaft macht. Es wird um tektonische Verschiebungen gehen, die die Industrieländer dazu zwingen, kräftig auf die Bremse zu treten.

Weil die peripheren Länder zu teuer sind, müssen sie billiger werden. Das tun sie aber nur, wenn der öffentliche Geldfluss allmählich versiegt. Durch günstige Kredite für private und öffentliche Zwecke war unter dem Euro in der Euro-Peripherie eine inflationäre Blase entstanden, die die Wettbewerbsfähigkeit vieler Länder unterminiert hat. Heute stecken diese Länder mit ihren überhöhten Preisen für Immobilien, Staatspapiere, Güter und menschliche Arbeit fest und finden keine privaten Anleger mehr, die die daraus resultierenden Leistungsbilanzdefizite finanzieren wollen.

Der riesige öffentliche Kreditfluss setzt Deutschland atemberaubenden Haftungsrisiken aus. Aber er bewirkt gar nichts, außer dass er die Auslandsschulden der betroffenen Länder immer weiter anwachsen lässt. Um zu verhindern, dass entweder Deutschland insolvent wird oder der Euro kaputtgeht, muss man im vierten Jahr der öffentlichen Finanzierung der Krisenländer allmählich, aber mit fester Hand damit beginnen, den Hahn für neue Kredite zuzudrehen.

Nach der Phase der lockeren Budgetbeschränkungen kann der Euro-Raum nur durch härtere Budgetbeschränkungen gesunden, die eine reale Abwertung erzwingen. Im Einzelnen sind die folgenden Maßnahmen zu ergreifen (von Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts):

  1. Der weitere Rückkauf von Staatsschulden durch den Euro-Rettungsfonds EFSF und die EZB ist zu verbieten.
  2. Die Kreditvergabe der Bundesbank (Target-Kredite) an die GIPS-Länder darf nicht mehr erhöht werden.
  3. Die Stimmrechte im EZB-Zentralbankrat sind nach den Kapitalanteilen bzw. den Haftungsverhältnissen zu gewichten.
  4. Der Zentralbankrat braucht für Kredittransfers zwischen Staaten, die er toleriert oder induziert, Einstimmigkeit und die Zustimmung der Regierungen der Gläubigerländer.
  5. Die EFSF sollte sich auf Liquiditätshilfen für Krisenländer konzentrieren und diese Hilfe auf zwei Jahre begrenzen.
  6. Wenn ein Euro-Staat ab dem dritten Jahr seine Schulden nicht aus eigener Kraft bedienen kann, ist eine drohende Insolvenz statt einer bloßen Illiquidität zu unterstellen.
  7. Ein Land, dessen Garantien fällig werden oder das die Garantiegrenze überschreitet, muss seine Insolvenz erklären.
  8. Im Basel-III-System für die Bankenregulierung werden die Risikogewichte für Staatsschulden von Null auf das Niveau der mittelständischen Unternehmen erhöht.
  9. Die Eigenkapitalquoten (Kernkapitalquote und bilanzielle Quote) werden gegenüber Basel III um die Hälfte vergrößert.
  10. Schwache Banken, die am Markt nicht genug Eigenkapital finden, um diese Anforderungen zu erfüllen, werden zwangskapitalisiert und teilverstaatlicht. Der Staat verkauft seine Anteile, wenn die Krise vorbei ist.


Zusammenfassung

Der Euro hat ein System geschaffen, das Lenkung notwendig, aber ohne einheitliche Finanzpolitik gleichzeitig undurchführbar macht. Ein großes Problem ist, dass kein Wissenschaftler die Euroeffekte wirklich durchdacht hat. Das haben unsere Professoren nämlich nicht studiert. Die klassische Volkswirtschaftslehre ist ausgehebelt. Sie basierte auf dem Wettbewerb der Länder untereinander. Die Länder gibt es zwar noch, aber die Marktmechanismen sind weg. Europäische Lenkungsmechanismen erweisen sich als undurchführbar. Was früher über Währung und Zinsen automatisch geregelt wurde, bedarf heute nahezu unmöglicher Abstimmungsprozesse. Potenziert wird das Problem durch den Anspruch weltumspannender Regelungen.

Fakt ist, dass es sich nicht nur um ein Liquiditätsproblem handelt, sondern vor allem um ein Solvenzproblem. Und Solvenzprobleme lösen sich durch Liquiditätsspritzen keinesfalls in Luft auf! Auch wenn über Jahrzehnte alle Warnungen vor einer zu hohen Staatsverschuldung in den Wind geschlagen wurden, zeigt sich, dass auch Staaten nicht nur in der Theorie, sondern ganz praktisch zahlungsunfähig werden können. Die Folgen sind dann äußerst schmerzlich, aber auch höchst heilsam, denn das Thema der überbordenden Staatsverschuldung kommt so nun endlich in die Mitte der politischen Diskussion. Mich beschäftigt dieses Thema seit meiner Diplomarbeit im Jahr 1997.

Meiner Meinung nach fallen in absehbarer Zeit die letzten Sandkörner durch die Schuldenuhr. Am Ende steht der Staatsbankrott mit einer einhergehenden Währungsreform. Die letzte Frage beschränkt sich dann nur noch darauf, wieviel Cent wir für einen Euro noch bekommen und in welchem Verhältnis die privaten Schulden eines jeden Einzelnen umgetauscht werden. Die schöpferische Zerstörung und der damit einhergehende Neuanfang wären im Idealfall mit einer Rückbesinnung an die Währungskoppelung an den Goldstandard, den man 1971 aufgegeben hat, verbunden. Damit verbunden wäre dann aber auch das Verbot von Goldbesitz. Bis 1971 wurde Goldbesitz strafrechtlich verfolgt.

Die Zeit bis dahin kann schon in zwei Jahren abgelaufen sein, es kann sich aber auch noch 10 Jahre hinziehen. Der einzige schmerzfreie Ausweg aus diesem Dilemma wäre ein überdurchschnittliches Wachstum, welches an das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg anknüpft. Hierzu wäre eine Wachstumsstrategie notwendig, die sich in den gesättigten Märkten, in denen wir uns befinden, mir noch nicht einmal ansatzweise erschließt. Im besten Fall steht uns eine Dekade flachen europäischen Wachstums bevor.

Weiter belastend ist unsere äußerst ungünstige demographische Entwicklung. Man könnte ihr mit entsprechender Einwanderungspolitik entgegentreten, was jedoch einer Illusionen gleichkommt. Demographisch gesehen stehen wir erst am Anfang der aufkommenden Probleme, denn die Zeit, in der unsere geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, stehen und erst noch bevor. Eine Zeit, in der dem Staat auf der einen Seite dann wichtige Einnahmen (Lohnsteuern etc.) wegbrechen und auf der anderen Seite ungedeckte Verbindlichkeiten (Beamtenpensionen etc.) fällig werden und somit den Staatshaushalt weiter überdehnen. Allein die Pensionslasten werden sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. So werden die auferlegten Schuldenbremsen schnell wieder zur Makulatur.

Wie schwer sich die Länder mit finanzieller Vorsorge tun, zeigte kürzlich das Land Niedersachsen. Es hatte vor einiger Zeit bereits einen Vorsorgefonds für Beamtenpensionen eingerichtet. Als dann aber im Landesetat das Geld anderweitig fehlte, löste es den Fonds kurzerhand wieder auf. Das Saarland will bereits schon jetzt die dem Land auferlegte Schuldenbremse wieder lösen. Der weitere Weg wird also von Unsicherheit geprägt sein und die Märkte werden volatil bleiben, bis sie dann endgültig abstürzen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Seitdem sich eine Einigung zum EFSF Rettungsschirm abzeichnet, steigen die Kurse an den Aktienmärkten wieder. Die Börsenmärkte sind vergleichbar mit Drogenabhängigen, denen wieder Stoff zugeführt wird. Doch letztendlich werden auch die Börsen das Schicksal eines jeden Drogenabhängigen teilen. Nur ein wirklich nachhaltiger Entzug kann den Patienten von seiner Sucht befreien.


8. Konsequenzen: Ihr Vermögen sollte einen Stresstest erfolgreich bestehen können!

Bei einer Staatspleite und/oder einer Währungsreform stehen insbesondere Sparvermögen, die sich aus Bargeld, Festgeld, Sparbüchern, Anleihen (insbesondere Staatsanleihen) und ähnliche Vermögenswerte, wie Versicherungen etc. im Feuer. (Schuldenfreie?) Immobilien könnten, wie schon nach dem Krieg geschehen, mit Zwangshypotheken belastet werden. Gold könnte konfisziert und deren Besitz unter Strafe gestellt werden. Und denken Sie daran: Wenn alle zur selben Zeit durch dieselbe Tür wollen, könnte es zu eng werden! Unterstellen Sie mir bitte keine Schwarzmalerei. Auch ich habe trotz all der Fakten immer noch die Hoffnung, dass die schwarzen Gewitterwolken doch noch irgendwie an uns vorbeiziehen, ohne größere Schaden anzurichten. Tatsächlich trafen unsere bisherigen Prognosen in der Regel jedoch meist ein. Erschwerend kommt hinzu, dass unsere Prognosen teils deutlich früher eintrafen als wir selbst vermuteten. Ein Problem selbsterfüllender Prophezeiung. Insofern kann ich Ihnen nur raten, nichts dem Zufall zu überlassen und die aufkommenden möglichen Probleme anzupacken!


9. Atomausstieg: Wann wird der Rücktritt vom Rücktritt folgen?

Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Die Zeit bis zum Atomausstieg 2022 wird sicherheitstechnisch gefährlich, da gute Ingenieure aus einer sterbenden Technologie abwandern. Bis jetzt ist keine physikalische Gesetzmäßigkeit bekannt, die bewirkt, dass freigesetzte radioaktive Schwaden einen Umweg um Deutschland machen, nur weil es aus der Technologie ausgestiegen ist.

Das Stilllegen einer kerntechnischen Anlage kann unter Umständen ein erheblich höheres Risiko sein, als der Betrieb. Viele Faktoren beeinflussen die Sicherheit. Die Qualität ausländischer Anlagen wird von Entwicklung, Forschung und internationalen Gremien, in denen Deutschland nichts mehr zu sagen haben wird, bestimmt, die aus Spitzenwissenschaftlern bestehen, die wir ebenfalls nicht mehr haben. Wir sind dem Geschehen ausgeliefert. Die deutsche Arroganz, alles besser zu verstehen als der Rest der Welt, wird keine Kooperation mit umgebenden Ländern zulassen, die für uns im Falle einer dortigen Kernschmelze überlebensnotwendig wäre.

Länder wie Großbritannien, Niederlande, Finnland, Polen, Tschechien oder Schweden halten auch nach Fukushima an ihren Plänen fest, sich stärker in der Atomkraft zu engagieren. Und die meisten Länder, die Kernkraftwerke bauen wollen, haben ihre Pläne bekräftigt. Mir ist weltweit kein einziges Bauprojekt bekannt, das gestoppt wurde. Mit Blick auf den Stand der heutigen Technik, das weltweite Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum und den Klimaschutz brauchen wir beides, erneuerbare Energien und Kernenergie.

Bis 2020 sollen grüne Energien im Schnitt 35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs abdecken. 65 Prozent der Energie kommen dann immer noch aus konventionellen Kraftwerken. Dabei wird der Beitrag aus erneuerbaren Energien zudem innerhalb einer einzigen Woche zwischen 10 und 150 Prozent des Bedarfs schwanken. Ein bisher ungelöstes Speicherproblem.

Zwischen 1800 und 2000 hat sich die Weltbevölkerung versechsfacht. Gleichzeitig hat sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen verzehnfacht. Der WWF hat weiter gerechnet: Wir müssen die nächsten 40 Jahre genauso viele Nahrungsmittel produzieren, wie die letzten 8.000 Jahre. Ursächlich dafür ist das hohe Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets. Ähnlich rasant wird unser Energieverbrauch weiter ansteigen. Hier tun sich in absehbarer Zeit Defizite auf, die mit erneuerbaren Energien und den verbleibenden fossilen Energieträgern nicht einmal ansatzweise ausgeglichen werden können.

Wie verlogen und falsch unsere Politiker in unserem Staat Politik betreiben, lässt sich bestens an unserem Umweltminister Norbert Röttgen veranschaulichen: Im Juli 2011 gab es in Berlin den zweiten Petersberger Klimadialog, an dem 35 Staaten teilnahmen. Hier sprach Röttgen nicht vor zukünftigen potentiellen Wählern, sondern vor Fachpublikum. Die hier ins Feld geführten Argumente zum Klimaschutz waren alle richtig und aktueller denn je. Dieselben Argumente hätten den Atomausstieg jedoch unweigerlich torpediert und die dabei gemachte Politik entlarvt (Die Argumentation zum Klimadialog von Röttgen können Sie bei uns abfordern.). Insofern wissen unsere Politiker in der Regel immer ganz genau was sie tun, wobei sie ihr Wissen nicht zum Wohle des Volkes einsetzen, sondern offensichtlich nur für ihren eigenen Vorteil. Die Atomausstiegsdebatte fiel ausschließlich wahltaktischem Geplänkel zum Opfer, zum Schaden einer ganzen Nation, zum Schaden einer ganzen Volkswirtschaft.

Fazit: Es gibt sehr gute Gründe, unter massivem Einsatz risikomindernder Strategien und Technologien aus der Kernenergie auszusteigen. Es gibt sehr gute Gründe, die Kernenergie fortzusetzen, bis wir eine umweltfreundliche, risikoarme Technologie haben. Mir sind keine guten Gründe bekannt, die die jetzige Art des Ausstiegs unterstützen. Sie scheinen allein unter den Gesichtspunkten der Manipulation der Angst getroffen worden zu sein, ohne Verantwortung für das Ganze. Propagandiert man den Atomausstieg ohne Wenn und Aber, dann soll man bitte gefälligst die Wähler auch über die damit verbundenen Konsequenzen in Kenntnis setzen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen den Atomausstieg, ich habe jedoch ganz massiv etwas gegen die damit verbundene Verlogenheit und Scheinheiligkeit unserer Politiker.

Ich persönlich hege trotz allem die Hoffnung, dass es uns bis zum Atomausstieg im Jahr 2022 gelingt, das weltweite Energieproblem ohne Wiedereinstieg in die Atomenergie zu lösen - mit einer uns heute noch unbekannten Technik. Wenn der Mensch einen Vorteil hat, dann ist es sein unerschöpflicher Forschungs- und Entwicklerdrang. Gleichzeitig würde ich mir jedoch nie anmaßen, das Bärenfell schon aufzuteilen, bevor der Bär erlegt ist. Das wäre verantwortungslos!


10. Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft

Auch wenn die Versicherer ihren Garantiezins 2012 auf 1,75 Prozent absenken werden, gibt es weltweit immer noch viele Oasen, die mit überdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum ausgestattet sind. Asien dürfte die am schnellsten wachsende Region der Welt bleiben. Die Region wird mit 7,3 Prozent wachsen, nach 7,8 Prozent in diesem Jahr. Deutschland zum Vergleich: Hier liegen die Prognosen zwischen 0,8 und 1,3 Prozent für 2012. Die Wachstumsmärkte zeichnen sich auch durch eine sehr geringe Staatsverschuldung aus. Solange vorerst kein neuer Schock auftritt, wird die Weltwirtschaft einen Abschwung, aber keine Rezession erleiden. Dafür ist das Wachstum in den Schwellenländern nach wie vor zu stark. Viele Beobachter im Westen unterschätzen bei ihren Prognosen zwei Dinge: Wie groß der Anteil der Schwellenländer am globalen Wachstum geworden ist und wie sehr diese Volkswirtschaften inzwischen von der eigenen Nachfrage leben.

Drei Viertel des globalen Wachstums stammen bereits aus den Schwellen- und Entwicklungsländern. Dieser ehemals als "Dritte Welt" abqualifizierte Teil der Erde hat seinen Anteil an der Weltwirtschaft seit 2000 von 20 Prozent auf 34 Prozent gesteigert. Gleichzeitig ist der Anteil der G7-Länder von zwei Dritteln auf die Hälfte geschrumpft. Die Wachstumsmärkte wachsen im Durchschnitt um 6,5 Prozent jährlich. Das heißt: Selbst wenn die alten Industriemächte fast stagnieren, halten die Schwellenländer, wenn sie halbwegs auf dem bisherigen Wachstumspfad bleiben, die globale Wachstumsrate bei 3 Prozent. Trotzdem sind die Wachstumsmärkte nicht problemfrei. Details dazu entnehmen Sie bitte aus unserer Marktanalyse - Juli 2011.


11. Sind Goldinvestments zeitgemäß?

Die Vorräte der Nationalbanken addieren sich noch auf rund 30.000 Tonnen. Hinzu kommen private Goldbestände in etwa gleicher Höhe und ein Vorrat an Goldschmuck von nahezu 85.000 Tonnen. Der industrielle Goldverbrauch, vorwiegend die Nachfrage aus der Schmuckindustrie, beträgt jedoch weniger als 3.000 Tonnen im Jahr. Damit sind allein die marktgängigen Goldvorräte um das Zwanzigfache höher als der Verbrauch eines Jahres. Zum Vergleich: Bei Industrierohstoffen wie Öl oder Kupfer decken die Lagerbestände nicht einmal ein Viertel eines Jahresverbrauchs ab. Die Lagerbestände an Gold sind dagegen so groß, dass eine physische Knappheit nie gegeben ist. Der Goldmarkt lebt damit wesentlich von der Bereitschaft von Finanzinvestoren, die vorhandenen Vorräte bei steigenden Preisen zu halten. Diese Bereitschaft ist vor allem in Zeiten wachsender Inflationsangst gegeben.

Interessant ist ein Blick auf die Entwicklung der Goldnachfrage im Laufe der letzten Jahre. Während sich die Nachfrage der Industrie - von kleineren Schwankungen abgesehen - relativ kontinuierlich im Bereich zwischen 500 und 750 Tonnen jährlich bewegte, hat sich die Brutto-Nachfrage nach Gold zur Schmuckherstellung fast halbiert. Lag sie im Jahr 2001 noch bei mehr als 3.000 Tonnen, so waren es im Jahr 2009 nur noch knapp 1.700 Tonnen. Noch dramatischer stellt sich die Lage dar, wenn man die Nettonachfrage, also inklusive der Einschmelzung von Altgold, betrachtet. Diese lag 2009 nur knapp über der Nulllinie. Die Nachfrage nach Gold zu Investmentzwecken, die sich im Jahr 2001 auf weniger als 60 Tonnen belief, erlebte dagegen einen rasanten Anstieg auf mehr als 800 Tonnen im Jahr 2009 und liegt damit inzwischen deutlich höher als die Goldnachfrage der Industrie. Und während von Zentralbanken bis ins Jahr 2008 per Saldo noch vorhandene Goldbestände durch sukzessive Verkäufe reduziert wurden, sind Regierungen und Zentralbanken in jüngster Zeit wieder dazu übergegangen, Goldvorräte durch entsprechende Zukäufe aufzufüllen. Die größten Goldreserven werden übrigens von den USA gehalten, die zweitgrößten von Deutschland. Was sagt uns das? Einerseits ist der industrielle Goldverbrauch auf dem Rückzug, auch in der Schmuckindustrie gibt es kostengünstigere Alternativen. Andererseits lässt sich hier womöglich ein Hinweis zur Rückkehr des Goldstandards und damit der Wiedereinzug von Nachhaltigkeit im Welt-Währungssystem mit all seinen Konsequenzen ableiten? Gold hätte dann wieder seine Daseinsberechtigung, der Besitz würde dann aber wieder unter Strafe gestellt. Entweder Sie vergraben Ihr Gold im Garten oder Sie bewahren es in den schweizer Tresoren auf. Hier hat der Staat (noch) kein Zugriffsrecht.


12. Inflation

Die Inflationsrate liegt in Europa aktuell bei 3 Prozent. Solange sich in Europa keine überdurchschnittlichen Lohnsteigerungen durchsetzen lassen, sind der Inflation enge Grenzen gesetzt. Die Staaten werden sich nicht mithilfe von staatlich getriebener Inflation entschulden können. Dafür sind ihre Refinanzierungslaufzeiten viel zu kurz. In Deutschland werden im Durchschnitt die Staatsschulden alle sechs Jahre komplett neu finanziert. In den USA ist der Zeitraum noch kürzer. Hier werden die Schulden im Durchschnitt alle vier Jahre komplett gedreht. Auch die Operation Twist, die jetzt in den USA kürzlich angelaufen ist (Tausch kurzfristiger Schulden in langfristige Schulden), wird nur begrenzten Erfolg haben. Denn die Investoren werden bei jeder neuen Umschuldung einen Inflationsausgleich in Form eines Zinsaufschlages verlangen. Erschwerend kommt in Amerika hinzu, dass der Großteil der staatlichen Verpflichtungen aus den Bereichen Sozialversicherung und Gesundheitswesen stammt. Und diese Verpflichtungen können nicht weginflationiert werden. Abschließend möchte ich hier bei dem Thema Inflation auf Japan verweisen. Japan hat seit vielen Jahren keine Inflationsprobleme, aber dafür umso größere Sorgen rund ums Thema Deflation.

Inflation kennen nur die Wachstumsmärkte, wo sie teilweise die Wirtschaft bedrohende Ausmaße angenommen hat.


13. Wie wird es weitergehen?

  1. In der Vergangenheit wurden diverse Schuldenreduktionsgesetze beschlossen, die allesamt im Sande verliefen.
  2. Der Bankensektor ist nachhaltig geschwächt.
  3. Die Zentralbanken Europas und Amerikas haben ihr Pulver weitgehend verschossen.
  4. Die extrem hohe Staatsverschuldung, dank Griechenland und Konsorten, ist längst in den Fokus der Finanzmärkte und der Bevölkerung geraten.
  5. Nicht nur die Notenbanken, sondern auch die Regierungen haben einen Großteil ihres Pulvers schon verschossen.
  6. Durch den Kreditboom in China sehen wir einer weiteren unangenehmen Überraschung entgegen.
  7. Anhand der weltweiten Proteste (siehe unseren Beitrag „Frist Gier unsere Zukunft?“) liegen die Nerven der Bevölkerung zunehmend blank.
  8. Anhand dieser Vorgaben sind Aktien langfristig schlicht unattraktiv.
  9. Wenn Unternehmen weniger verdienen, fallen die Kurse.
  10. Die Gewinnschätzungen der Aktienanalysten sind zu optimistisch.
  11. Die hohen Gewinnmargen der Unternehmen werden nicht von Dauer sein.
  12. Das US-Konsumenten-Vertrauen wird nachhaltig einbrechen.

Aufgrund der Vorgaben ist es ratsam, die Baisse einfach so lange als gegeben zu akzeptieren, bis sich möglichst klare Signale einer Bodenbildung zeigen. Schließlich lehrt die Finanzmarktgeschichte sehr eindringlich, dass Aktien am Ende langfristiger Bärenmarke deutlich unterbewertet sind, wovon wir noch weit entfernt sind.

Bestraft ihn, den Überbringer der schlechten Nachrichten. Die amerikanischen Ratingagenturen mussten völlig zu recht heftige Kritik einstecken, in der traurigen Rolle als Mitverursacher des Hypothekenkreditbooms, der bekanntermaßen in eine schwerwiegende Hypothekenkrise mündete. Vermutlich durch diese heftige Schelte sensibilisiert, scheinen die Ratingagenturen ihre Sache jetzt besser machen zu wollen. Folgerichtig stufen sie die Bonitäten der Verursacher der Staatskreditblase herab.

Der Kupferpreis dient als Frühindikator der Weltwirtschaft. Seit Ende Juli hat dieses Metall ca. ein Viertel seines Preises verloren. In historischer Betrachtung ist ein derart sinkender Kupferpreis ein sehr negatives Omen für die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft. Auch der HARPEX-Index, der die Entwicklung der Charterraten für Containerschiffe abbildet, zeigt deutlich nach unten.

Grundsätzlich kann zwar die Geldpolitik die Angebotsbedingungen für die Volkswirtschaft verbessern. Die Mittel müssen aber auch aufgenommen werden. Das wirkliche Problem ist die fehlende volkswirtschaftliche Nachfrage. Unternehmen investieren nicht, weil sie keine vernünftigen Renditeaussichten erkennen können. Im Gegenteil, das verhaltene Konsumenten- und Verbrauchervertrauen zeugt von einem investitionsunfreundlichen Nährboden für die Realwirtschaft. Einzig an den Börsenmärkten, die keine Werte schaffen, ist der Geldregen ein Segen.

Wie im Euroland liegt in den USA der Spielball im Feld der Politik. In den USA scheint aber die Partei wichtiger als das Land zu sein. Symptomatisch ist das kürzlich von Präsident Obama vorgeschlagene Konjunkturpaket. Aus Sicht der Republikaner ist es bereits bei Ankunft als Gesetzesvorlage im US-Repräsentantenhaus tot, wo die Republikaner eine Mehrheit besitzen. Auf diese politische Weise kann Amerika den Krieg gegen die Wirtschaftsflaute nicht gewinnen. Der größten Volkswirtschaft der Welt droht eine gefährliche Blockade bis zur nächsten Präsidentenwahl.

Das Modell einer konsumgetriebenen Wirtschaft wird offensichtlich nicht aufgegeben. Das große Kapitalmarktthema der Zukunft wird insofern Entschuldung heißen müssen. Leider können weder Wirtschaftswachstum noch Steuererhöhungen, noch Ausgabenkürzungen dies bewirken. Das Eine ist nicht hoch genug und das Andere darf nicht übertrieben werden, um der Weltwirtschaft nicht jene Erträge zu nehmen, die die Bedienung von Staatsschulden erst ermöglichen. Schuldenbremse ist ein Wort, das ich sehr wohl höre, allein mir fehlt der Glaube.

Was nun, lieber Anleger? Ist es wirklich noch sinnvoll, jetzt das einseitige Investmentverhalten in puncto Staatsanleihen weiter zu betreiben und das typisch deutsche Übergewicht bei Rentenpapieren weiter auszubauen, das doch bei Flurbereinigung der Staatsschuldenkrise die Knute besonders stark zu spüren bekommt? Perspektivisch - gerade auch mit Blick auf die Altersvorsorge - macht es mehr Sinn, in vernünftig aufgeteilte Sachwerte zu setzen, die die menschlichen Grundbedürfnisse abdecken.

Das Problem ist, die Politik wird uns naturgemäß nie reinen Wein einschenken. Denn nur wenn sich das Wählervolk in Sicherheit wiegen kann, kann sie ihr Modell der konsumbetriebenen Wirtschaft am Leben erhalten. Insofern wird man das eigentlich schon tote Pferd weiterhin zu Höchstleistungen antreiben, solange bis der Schwindel offensichtlich ist.

Wie steht es um Sie? Hören Sie nichts, sehen Sie nichts, lesen Sie nichts oder ist auch für Sie der Schwindel inzwischen offensichtlich? Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute! Genießen Sie den Augenblick. Die auf uns zukommenden Zeiten werden für die Allgemeinheit keinesfalls besser! Sorgen Sie für die bestmögliche Ausbildung Ihrer/unserer Kinder, sie werden sie brauchen, wenn sie im globalen Wettbewerb bestehen wollen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und den Unternehmern unter uns ein ertragreiches Jahresendgeschäft!


Heiko Kolodzik

Diplom-Betriebswirt
Stiftungsmanager
Testamentsvollstrecker




Kolodzik & Kollegen - Altmarkt 28 - 03046 Cottbus - Telefon: 0355-3818102


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