 In unsicheren Zeiten werden sichere Anlageformen gesucht. Nur: Wenn viele die gleiche Idee haben, wird es eng.
Inflation, Staaten vor der Pleite - da hilft nur eines: Ab in Sachwerte wie Immobilien. Eine Parole, die nicht nur für Privatpersonen ausgegeben wird, sondern auch für Versicherer, Pensionskassen und andere Vermögensverwalter.
Doch in welche Immobilien sollen sie investieren? Gekauft werden sollen Gebäude in Toplagen, die vollständig an solvente Nutzer vermietet sind. Das Problem: Dieses Segment ist in Deutschland nahezu ausverkauft. Seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 ging kaum etwas anderes. Und weil der Konjunkturaufschwung erst vor einem Jahr so richtig eingesetzt hat, wurde zwischenzeitlich auch nur der Bau von wenigen neuen Bürogebäuden begonnen, so dass nicht viel nachkommt.
Auf Einkaufszentren auszuweichen, die eine größere Einnahmesicherheit bieten als Büropaläste, ist kaum möglich. In diesem und im vergangenen Jahr wurden Rekordsummen in Shopping-Center investiert, zeitweise floss mehr Geld da hinein als in Bürogebäude. Ein Novum für Deutschland. Auch dieser Fluchtweg ist viel zu eng, als dass alle ihn benutzen könnten.
Wohin das führt, lässt sich am Beispiel eines auf Deutschland fokussierten offenen Immobilienfonds der Union Investment ablesen: Hier wurde ein Vertriebsstopp verhängt, weil die Fondsgesellschaft im Moment nicht weiß, wie sie das Geld sinnvoll ausgeben soll. Auf der Suche nach Alternativen für ganz sichere Objekte nahmen die Großinvestoren im Frühjahr erstmals seit der Lehman-Pleite wieder riskantere Gebäude in den Fokus. Diese sind nicht komplett vermietet oder haben Renovierungsbedarf. Doch seit sechs, acht Wochen redet niemand mehr davon, denn die Banken finanzieren solche Gebäude nur in Ausnahmefällen. Auch sie wollen nur noch sicheres Geschäft. Zu glauben, die Versicherer würden für sie einspringen, ist ein Irrtum. Die finanzieren Immobilien-Trophäen wie die Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt. Und wer selbst nur in sichere Immobilien investiert, gibt auch nur Kredit für sichere Immobilien.
Die Großinvestoren stehen vor der Wahl: Liquidität auf dem Tagesgeldmarkt für manchmal weniger als ein Prozent bunkern oder im Wettbewerb mit anderen die Preise für sichere Gebäude hoch- und damit die Mietrendite heruntertreiben. Aber ist es denn so tragisch, wenn die Mietrendite in einer Zeit auf vier Prozent sinkt (das entspricht dem 25fachen der Jahresmiete - Anmerkung von K&K), in der eine Bundesanleihe mit 1,8 Prozent verzinst wird? Sicherheit hat ihren Preis.
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